Darth Vader und Luke Skywalker liefern sich ein Duell in Speyer
Jürgen Ertel aus Wörth und Frank Sommer aus Karlsruhe schlüpfen auf dem Science-Fiction-Treffen in Speyer in „Star Wars“-Rollen. Beide Fans verfolgen neben dem Spaß noch ein ganz anderes Ziel.
Gut gegen Böse: Als Filmfiguren Darth Vader (links) und Luke Skywalker dürfen die Fans Jürgen Ertel und Frank Sommer ihre Leidenschaft für „Star Wars“ auf dem Science-Fiction-Treffen in Speyer ausleben.
In einer gefühlt weit entfernten Galaxis treffen das Gute und das Böse aufeinander. Darth Vader hat allerdings sein Lichtschwert nicht dabei. Also legt auch Luke Skywalker fairerweise seine Waffe ab – und bereut es sofort. Der schwarz behelmte Bösewicht streckt wortlos die Hand nach dem arglosen Jedi aus.
Luke greift sich an die Kehle und versucht, den unsichtbaren Würgegriff abzuwehren. Vergeblich. Einige bange Momente ringt er nach Luft. Dann brechen die beiden berühmtesten Figuren des Filmuniversums von „Star Wars“ den Bann der kurzen Duellszene, die sie für Journalisten improvisiert haben. Die beiden Kontrahenten reichen sich die Hand.
Die dunkle und helle Seite der Macht
Ringsum freuen sich zahlreiche Zuschauer und knipsen mit den Handys. Der Held geht frühstücken, während auf den Bösewicht in einem Zelt des Technik-Museums Speyer schon die großen und kleinen Autogrammjäger warten.
Darth Vader ist eigentlich Baufinanzierungsberater und heißt Jürgen Ertel. Der 55-Jährige lebt in Wörth. Im Outfit von Luke Skywalker steckt Frank Sommer aus Karlsruhe. Passend zur Filmfigur Luke, die einen Sturmangriff auf den Todesstern flog, um die Galaxie vom Imperium zu erlösen, arbeitet der 47-Jährige Sommer bei der DRF Luftrettung.
In der Kino-Saga verkörpern Vader und Skywalker einen kosmischen Konflikt der dunklen und der hellen Seite der Macht. Was Ertel und Sommer nach Speyer führt, ist dagegen die Macht einer Leidenschaft und Hingabe an ein ikonisches Filmmärchen, das mitunter Männer wieder zu Kindern werden lässt. Und sie sind damit an diesem sonnigen Herbsttag längst nicht die einzigen.
Am Samstagmorgen strömen Tausende Menschen auf das Museumsgelände zum Auftakt des zweitägigen Science-Fiction-Treffens, das hier seit 2008 alljährlich stattfindet. Viele sind kostümiert und zu Späßen aufgelegt. Zwischen U-Booten und historischen Flugzeugen spielen sich bald merkwürdige Szenen ab.
„Seit wann haben Sie diese Droiden schon?“
eine häufige Frage der Sturmtruppen
für die Ausstellungsbesucher.
Eine Patrouille der imperialen Sturmtruppen aus „Star Wars“ hält ein Elternpaar mit Kinderwagen an. „Seit wann haben Sie diese Droiden schon?“, fragt der Offizier. Geistesgegenwärtig antwortet der Vater mit dem passenden Filmzitat von Obi-Wan: „Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht.“ Alle lachen.
Vor der Raumfahrthalle posiert Jack Sparrow („Piraten der Karibik“) mit dem Joker („Batman“) für Fotos, während im Hintergrund eine Leierorgel Nenas Hit „99 Luftballons“ dudelt. Ein ferngesteuerter R2-D2 scheint dazu fröhlich piepsend Walzer zu tanzen. Das „Alien“-Monster schleicht vorbei und erschreckt eine Besucherin.
Vor einem Imbissstand liefern sich ein Mandalorianer und Wonder Woman einen Schaukampf. Ein Roboter aus „Transformers“ klatscht mit dem Wookiee Chewbacca ab – beide überragen die Besucher dank Stelzen in ihren Kostümen. Mittendrin ziehen Jürgen Ertel und Frank Sommer zur Eröffnungsschlacht der Show gegeneinander ins Feld.
Ertel tritt diesmal als Captain der Sandtrooper an, mit einer aufgemalten Schramme auf der Stirn. Gemeinsam mit einem anderen Vader und den Stormtroopern attackiert er die Rebellen. Zuvor hat Sommer als Skywalker seinen Kampfgefährten Mut eingeflößt mit dem berühmten Satz: „Möge die Macht mit euch sein!“ Die Schlacht endet unentschieden.
„Vom Bauernjungen zum Retter der Galaxie – dieser Weg hat mich fasziniert.“
Frank Sommer
Fan von Luke Skywalker
Die Macht begleitet Frank Sommer seit Kindertagen. Mindestens 30-mal habe er die „Star Wars“-Filme schon gesehen, erzählt er. Der erste war „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“. Der Jedi Luke wurde sein großes Vorbild. „Vom Bauernjungen zum Retter der Galaxie – dieser Weg hat mich fasziniert“, sagt der Filmliebhaber.
Als Mitglied der Fangruppe German Base Yavin – Rebel Legion ließ sich Sommer für mehr als 1.000 Euro ein originalgetreues Luke-Kostüm aus der Episode VIII schneidern und einen zur Filmfigur passenden Bart wachsen. Auch den den Kampf mit dem Lichtschwert hat der Karlsruher trainiert. „Mache ich aber nicht so gern, weil es kaputtgehen könnte“, sagt er.
Sein bisher schönster Fanmoment: Bei einem Fantreffen in Essen durfte Sommer 2013 auf die Bühne zu Skywalker-Darsteller Mark Hamill und dem Idol die Hand schütteln. Auch Jürgen Ertel, der die „Star Wars“-Filme „mindestens 100 mal“ gesehen hat, wollte früher so sein wie Luke. Auf die dunkle Seite zog den Mann aus Wörth dann aber ein Besuch eines Sci-Fi-Treffens in Speyer.
Dort entdeckte er die Kostümfans der 501. Legion. „Die waren so cool, dass ich dem Fanclub beitrat.“ Heute steckt in seinem Vader jede Menge Tüftelei: Ertel ergänzte ein gebrauchtes Outfit mit Ersatzteilen und lackierte manches selbst. Jeder Knopf, jeder Kratzer müsse der Filmvorlage entsprechen, sagt der Bastler.
„Man muss schon ein bisschen bekloppt sein dafür.“
Jürgen Ertel
Fan von Darth Vader
Rund 20 Kilogramm wiegt das Kostüm mit einem Lautsprecher unter dem schwarzen Cape, der Vaders röchelndes Atemgeräusch erzeugt. Eine Dreiviertelstunde dauert Ertels Verwandlung in seinen Lieblingsbösewicht. „Man muss schon ein bisschen bekloppt sein dafür“, sagt er lachend. „Aber es lohnt sich: Wenn ich einen Raum betrete, ist jeder beeindruckt.“
Die dunkle Seite tut auch Gutes: Der deutsche Ableger des 501. Legion besucht etwa Hospize, um todkranken Kinder und ihren Eltern etwas Ablenkung zu schenken. Solche Begegnungen gehen Ertel nahe. Dann ist selbst der finstere Darth Vader froh, sein Gesicht verbergen zu können: „Da möchte ich einen Helm aufhaben, wenn ich solche Aktionen mache.“
Spenden sammeln für krebskranke Kinder
Auch in Speyer sammeln Sommer und Ertel jetzt mit ihren Truppen Spenden für Krebspatienten. Abseits des Losverkaufs auf den Vereinsständen und der Gespräche mit Besuchern wartet ein straffes Programm. Zweimal täglich eine Show, dazwischen sind Fotoshootings, Auftritte mit Synchronsprechern der „Star Wars“-Filmhelden und Signierstunden.
Letztere verlangen besonders Darth Vader viel ab. Ertel kann in seinem Helm schlecht sehen und wenig hören. Eine Helferin schiebt deswegen dem Bösewicht die Autogrammkarten hin und sagt laut die Namen der Fans auf. Der groß gewachsene Mann beugt sich vor und schreibt mit dem schwarzen Filzstift: „With love, Darth Vader“.
Zweimal schwinden seine Kräfte. Ertel wendet sich von den Fans ab und nimmt den Helm herunter. Schweißperlen glänzen auf seiner Stirn. Ein Schluck Wasser, dann geht es weiter. Auch die dunkle Seite der Macht braucht mal eine Pause.
Artikel und Foto: Alexei Makartsev
Verwendung und Nutzung mit Genehmigung von: Badische Neueste Nachrichten
